11.03.2010 16:29:30 +0100
Mittelstand - geringe Eigenkapitaldecke ist gefährlic

Die Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen ist im internationalen Vergleich zu gering. Angemessen ist eine Quote von 20 Prozent im Handel und mindestens 35 bis 40 Prozent in Produktionsunternehmen.

Die Folgen der Eigenkapitallücke mittelständischer Unternehmen in Deutschland werden sich im beginnenden Aufschwung zeigen. Neugeschäft ist zu finanzieren, doch dazu sind die Banken immer weniger bereit. Daher muss der Mittelstand sich jetzt dringend neue Finanzierungswege jenseits des Bankkredits erschließen.

Ursachen der Eigenkapitalschwäche

Zur schwachen Ausstattung deutscher Unternehmen mit Eigenmitteln haben insbesondere die im internationalen Vergleich günstigen Konditionen für Fremdkapital geführt, die hohe Steuerbelastung sowie ein bislang nur schwach entwickelter deutscher Kapitalmarkt. Resultat sind Eigenkapitalquoten von durchschnittlich nicht einmal 20 Prozent - Unternehmen mit weniger als 2,5 Millionen Euro Umsatz kommen im Schnitt nur auf sieben Prozent.

Fehlende Kreditmöglichkeiten

Die verschärften Anforderungen der Banken zur Kreditvergabe - Stichwort Basel II - erhöhen jetzt den Problemdruck: Mittelständler mit schlechtem Kredit-Rating - und das hängt maßgeblich von der Eigenkapitalquote ab - erhalten kaum noch Geld von der Bank oder wenn nur zu schlechteren Bedingungen. Ein guter Kreditkunde bekommt ein Darlehen zu vier bis fünf Prozent, bei einem riskanten Kunden können das 12 bis 15 Prozent sein. Derart hohe Kapitalkosten machen notwendige und langfristig ausgelegte Wachstumsfinanzierungen aber kaum möglich.

Chancen durch IFRS

Alternativen zum Bankkredit sind auch in Deutschland inzwischen verfügbar. Um solche Instrumente nutzen zu können, ist jedoch eine hohe Transparenz der Unternehmen nötig.

Mittelständler sollten ihre Kreditwürdigkeit vermarkten

Mittelständische Unternehmen haben es bisher noch nicht ausreichend verstanden, ihre eigene Kreditwürdigkeit zu vermarkten. Abhilfe kann die  Umstellung der Bilanzierung auf den neuen internationalen Standards IFRS (International Financial Reporting Standards) bringen. 

Erfahrungen zeigen, dass sich hiermit deutlich höhere Eigenkapitalquoten im Mittelstand ergeben - was dann unmittelbar auch ihrer Kreditfähigkeit zugute kommt.

Finanzierungsalternativen

Internationale Kapitalbeteiligungsgesellschaften ("Private Equity-Geber") haben den deutschen Mittelstand inzwischen entdeckt.

Eine Firmenfinanzierung mit solchem externen Risikokapital kann sich auch positiv auf die Qualität der Unternehmensführung auswirken. So bringt der Investor oft sein Management-Know-how mit ein, in der Regel über die Gründung eines Beirats.

Das größte Problem beim Private Equity in Deutschland ist bisher jedoch, Kapitalgeber und Unternehmen an einen Tisch zu bringen.

Hier fehlt eine Plattform. Neben Risikokapital gewinnt das Factoring und Leasing für den Mittelstand weiter an Bedeutung. Aber auch sogenannte Asset backed Securities finden zunehmend Anwendung, die jetzt bereits ab einem jährlichen Forderungsvolumen von fünf bis zehn Millionen Euro möglich sind.