03.12.2008 09:51:27 +0100
Mezzanine-Kapital - Interessante Alternative für den Mittelstand - besonders bei Generationswechseln

Die Finanzierung mittelständischer Unternehmen hat sich in den letzten Jahren stark verändert.

Neben der klassischen Eigen- oder Fremdfinanzierung kommt zunehmend eine sogenannte Mezzanine-Finanzierung als Mischform zwischen beiden Finanzierungsformen zum Einsatz. Etwa durch Stille Beteiligungen, Genussscheine sowie Nachrang- und Gesellschafterdarlehen.

Ausreichendes Eigenkapital wird im deutschen Mittelstand zum Engpass. Vor allem in den rund 380.000 Unternehmen, bei denen in den kommenden fünf Jahren ein Generationswechsel aus Altersgründen ansteht. Laut Institut für Mittelstandsforschung ist hier die Kapitalausstattung der potenziellen Nachfolger eines der größten Hemmnisse.

Die Mezzanine-Finanzierung kann eine Lösung sein. Bei Mezzanine-Kapital liegt das Risiko-Rendite-Profil zwischen reinem Eigenkapital und Fremdkapital.

Das Mezzanine-Kapital kann die Eigenkapitalquote erhöhen und dennoch bleiben die Mitentscheidungsrechte der Kapitalgeber überschaubar.

 

Merkmale von Mezzanine-Finanzierungen

Die Flexibilität bei Mezzanine-Finanzierungen resultiert daraus, dass die bilanzielle Behandlung, zum Beispiel von Genussrechtskapital oder Stillen Beteiligungen, gesetzlich nicht starr geregelt ist.

Im Gegenteil: Derzeit diskutiert das International Accounting Standards Book (IASB), die Kriterien für die Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital zu liberalisieren. Zudem bietet diese Art der Finanzierung steuerliche Vorteile. Die vertragliche Struktur kann so gewählt werden, dass regelmäßige Ausschüttungen an die Kapitalgeber steuerlich als betrieblicher Aufwand abzugsfähig sind, obwohl in der Bilanz das Kapital nicht als Fremd- sondern Eigenkapital ausgewiesen wird.

 

 

Formen von Mezzanine-Kapital

Die heute angebotenen Mezzanine-Finanzierungen unterscheiden sich vor allem durch die Tilgungsmodalitäten oder Möglichkeiten zur vorzeitigen Ablösung sowie im Grad der Betreuung des finanzierten Unternehmens durch den Kapitalgeber.

Im Falle eines Nachrang-Darlehens müssen auch keine Sicherheiten gestellt werden.

Bei Insolvenz werden die Darlehensgeber zudem nachrangig befriedigt, das heißt erst nachdem den Forderungen aller anderen Kreditgeber entsprochen wurde. Deshalb sind für ein Nachrangdarlehen in aller Regel jedoch auch höhere Zinsen zu zahlen als bei einem klassischen Bankkredit.

Für die Stille Beteiligung gilt im Normalfall eine feste Laufzeit, ein fester Zins und eine festgelegte erfolgsabhängige Komponente.

Die Beteiligung kann anonym bleiben und wird nicht ins Handelsregister eingetragen. Die stille Gesellschaft partizipiert sowohl am Gewinn als auch am Verlust der Gesellschaft. Bei der sogenannten atypischen Gesellschaft nimmt der Gesellschafter auch am Gesamtgeschäftsvermögen und damit am Vermögenszuwachs teil und hat häufig unternehmerische Mitwirkungsverpflichtungen.

Beim Gesellschafterdarlehen schließlich gewährt ein am Unternehmen Beteiligter – parallel zu einer Eigenkapitaleinlage – dem Unternehmen Kredit. 

Bilanzielle Behandlung von Mezzanine-Kapital

Für welche Form der Mezzanine-Finanzierung man sich auch immer entscheidet: Zur bilanziellen Anerkennung als Eigenkapital sind die Langfristigkeit der Kapitalüberlassung, die Ausgestaltung der Kündigungsrechte, die Gewinnabhängigkeit der Vergütung sowie die Nachrangigkeit entscheidend.
Ist nur eines dieser Kriterien nicht erfüllt, wird das Mezzanine-Kapital als Fremdkapital, sprich wie ein Kredit eingestuft.