04.02.2012 17:45:36 +0100
Forderungsfinanzierung im Mittelstand

Um Kreditlinien bei Banken zu entlasten und Kapitalkosten zu senken, können mittelständische Unternehmen jetzt mit innovativen Instrumenten ausstehende Forderungen finanzieren.

Neben dem Verkauf von Forderungen über Asset Backed Securities am Kapitalmarkt gewinnt jetzt auch das Factoring eine zunehmende Bedeutung in Deutschland.

Kaufpreis: Nominalwert minus Abschlag

Der Kaufpreis entspricht dem Nominalwert der Forderungen abzüglich eines Abschlags.

Dieser berücksichtigt zum einen die Mindereinnahmen bei Einzug der Forderungen durch vereinbarte Boni und Gutschriften, die das Unternehmen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit seinen Kunden gewährt.

Zudem ist dieser Abschlag ein Entgelt für die Übernahme des Ausfallrisikos sowie die Vorfinanzierungskosten der verkauften Forderungen.

Folgende Voraussetzungen müssen hierzu vorliegen:

  • Die Forderungen müssen abtretbar sein.
  • Die Forderungslaufzeiten sollten üblicherweise nicht mehr als 120 Tage betragen.
  • Das Unternehmen (Verkäufer) muss über eine ausreichende Bonität, dass heißt Ratingnote verfügen.

Der Verkauf der Forderungen wird entweder beim Debitor angezeigt und damit offengelegt.

Bei Fälligkeit der Forderungen muss der Debitor dann an die Factoring-Gesellschaft zahlen ("Offene Zession"). Bei einem Finanzierungsgeschäft in "Stiller Zession" hingegen erfolgt keine Benachrichtigung über den Forderungsverkauf an die Debitoren. Der Schuldner zahlt weiterhin an das Unternehmen, das den Gegenwert des Forderungseinzugs dann an die Factoring-Gesellschaft weiterleitet. Diese führt neben dem Inkasso im Rahmen eines Service-Vertrags auch die laufende Überwachung der Kundenbonitäten sowie das Mahnwesen durch.

Vorteile der Forderungsfinanzierung

Die Forderungsfinanzierung hat gegenüber dem traditionellen Bankkredit einige Vorteile:

  • Durch den Verkauf der Forderungen wird eine deutlich höhere Liquidität freigesetzt als im traditionellen Bankgeschäft. Die Ankaufsgrenzen belaufen sich regelmäßig auf deutlich über 60 Prozent des nominalen Forderungsvolumens.
  • Der Forderungsbestand wird als Sicherheit höher bewertet als im Rahmen der traditionellen Bankenfinanzierung.
  • Das Ausfallrisiko geht auf die Ankaufsgesellschaft über.
  • Zusätzliche Serviceleistungen im Mahn- und Inkassowesen können in Anspruch genommen werden.
  • Der Verkäufer erhält regelmäßig genaue Informationen über die Struktur und Entwicklung seiner Forderungsbestände und Debitoren.

Aufgrund der Vorteile ist das Factoring im europäischen Ausland bereits seit Jahren etabliert. Die Verbreitung in Deutschland ist daran gemessen noch unterdurchschnittlich, nimmt jedoch stetig zu.

ABS-Finanzierung kann deutlich günstiger sein als ein traditioneller Bankkredit

Ab einem regelmäßigen Forderungsbestand von fünf Millionen Euro können sogenannte Asset-Backed-Securities-Transaktionen (ABS) deutliche Kostenvorteile für Unternehmen gegenüber dem Factoring bieten.

Bei einer ABS-Finanzierung verkauft das Unternehmen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine speziell gegründete Finanzierungsgesellschaft. Diese wiederum emittiert Wertpapiere am Kapitalmarkt, um sich die notwendigen Finanzierungsmittel für den Ankauf der Forderungen zu beschaffen. Sofern das passende Ankaufsprogramm ausgewählt wird, finanziert sich ein Unternehmen mittels ABS deutlich günstiger als über einen traditionellen Bankkredit.

Diese Kostenvorteile kompensieren erfahrungsgemäß sehr schnell die anfangs höheren Transaktionskosten. Weiterer Vorteil: Bilanzkennzahlen wie die Eigenkapitalquote, der Liquiditätsgrad und die Gesamtkapitalrentabilität können optimiert werden.

Unterschiede zwischen ABS und Factoring

Im traditionellen Factoring wird ein Großteil des Ausfallrisikos abgedeckt, indem eine Warenkreditversicherung einbezogen wird.

Der Factor übernimmt den verbleibenden Teil des Ausfallrisikos. Das Unternehmen zahlt für das abgegebene Ausfallrisiko demnach eine Prämie an die Warenkreditversicherung sowie eine Factoring-Gebühr. Bei ABS-Transaktionen wird das Ausfallrisiko durch Kaufpreisabschläge gedeckt. Diese berechnen sich in Anlehnung an die historischen Forderungsausfälle und unter Berücksichtigung von zusätzlichen Risikoabschlägen beim Ankauf.

Ist der Anteil der Factoring-Gesellschaft an den späteren tatsächlichen Ausfällen geringer als die gezahlte Prämie, erfolgt keine Rückerstattung an das Unternehmen. Bei ABS-Transaktionen hingegen wird der nicht benötigte Anteil der Abschläge zur Deckung von möglichen Ausfällen an das Unternehmen wieder voll ausgeschüttet. Die Erträge eines effizienten Debitorenmanagements kommen dem Unternehmen voll zugute.

Resümee und Ausblick

Neuerdings bieten verschiedene Anbieter Kombinationen aus Factoring- und ABS-Finanzierung an. Diese Anbieter übernehmen für die Unternehmen die Verhandlung von umfangreichen Vertragslaufwerken und Reportinganforderungen; sie leiten gleichzeitig die Zinsvorteile und attraktiven Rückvergütungsmodelle einer Kapitalmarktfinanzierung weiter. Durch Bündelung werden darüber hinaus die meist hohen Transaktionskosten, die im Rahmen der Strukturierung von Kapitalmarktfinanzierungen anfallen, für jedes Unternehmen spürbar reduziert.

Kapitalmarktnahe Finanzierungen sind wirtschaftlich dann auch für Unternehmen interessant, die über geringere Forderungsbestände als fünf Millionen Euro pro Abrechnungsperiode verfügen, beziehungsweise interne Ressourcen im Rahmen der Finanzierung schonen möchten.