19.05.2012 17:30:06 +0200
Kostenmanagement

An den entscheidenden Schrauben drehen

Unser Unternehmen spart Kosten an den falschen Stellen ein - das sagen nach einer Studie 70 Prozent der internationalen Finanzvorstände und Führungskräfte. 

In den Führungsetagen besteht weltweit Konsens, dass Unternehmen auch in mageren Zeiten langfristige Investitionen durchführen sollten.

Die Realität sieht aber anders aus: Wider besseren Wissens geben 60 Prozent der internationalen Firmenlenker zu, in wirtschaftlich mageren Zeiten auch Investitionen zu kürzen, die langfristig zum Erfolg führen würden. Folgerichtig sagen auch 70 Prozent von ihnen, dass ihr Unternehmen oft an der falschen Stelle spart.

Kostenprobleme lassen sich durch reaktive Einzelmaßnahmen nicht in den Griff bekommen. "Reaktive Einzelmaßnahmen wie verschärfte Reisekostenregelungen, Einstellungsstopps oder das Verschieben von Projekten werden im Managementalltag bevorzugt". Die tatsächlichen Probleme lassen sich dadurch jedoch kaum lösen. Vielmehr können etwa gekürzte Werbebudgets oder ein erhöhter Preisdruck auf Lieferanten schon mittelfristig negative Auswirkungen auf Absatz und Beschaffung haben - ebenso wie Budgetkürzungen im Bereich Fortbildung sowie Forschung und Entwicklung.

Konsequentes Kostenmanagement sollte nicht nur Geschäftsprozesse optimieren, sondern auch Organisationsstrukturen gestalten: "Shared Service Center", das Outsourcing von Funktionen oder Verlagerungen ins Ausland sind hierfür Beispiele. Insbesondere können Vergleiche mit anderen Unternehmen dabei helfen, Optimierungsfelder zu erkennen. Im Ergebnis kommen so auch strategische Allianzen und Kooperationen mit Wettbewerbern in Betracht.

Planvolle Beratung von außen hilft den Unternehmen dabei, ihr Blickfeld zu erweitern und die Entscheidungskriterien zu objektivieren. Denn: Wer selbst zu stark involviert ist, verschiebt automatisch seine Messlatte nach individuellen Gesichtspunkten. Und auch spontane Emotionen sind ein gefährlicher Ratgeber.

Drei Dimensionen des Kostenmanagements

Effektives Kostenmanagement beinhaltet drei zeitliche Dimensionen: Kurzfristig gilt es, Einsparpotenziale mittels Benchmarking zu erkennen und zu realisieren. Daran knüpfen mittelfristig Prozessoptimierungen an. Hier können insbesondere sinkende Kapitalkosten der Bestandshaltung - im Rahmen des sogenannten "Working Capital Managements" - nachhaltig messbaren Nutzen bringen. Wird dies auch Financiers des Unternehmens transparent gemacht, verbessern sich zudem zum Beispiel bei Banken unmittelbar das Rating und damit der Umfang und die Kosten für Finanzierungsmittel.

Langfristig empfehlen sich übergreifende Strukturänderungen in Unternehmen, beispielsweise durch Outsourcing. Auch die Einführung von "Shared Service Centern" bietet Möglichkeiten, Kosten nachhaltig zu senken. Denn sie helfen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten neu zu strukturieren: Definierte Schnittstellen und Service Level verbessern die Ressourcenauslastung - insbesondere im Management. Zudem lassen sich mit "Shared Service Centern" Qualitäts- und Zeitstandards durchsetzen. Und dies bei sinkenden Kosten durch die Bündelung von Aufgaben in einer separaten Organisationseinheit vornehmlich für Routineprozesse mit hohem Volumen.

Da Ansatzpunkte zum Kostenmanagement vielfältig sind, gibt es kein Patentrezept. Jedoch gilt: Erst die dauerhafte Verankerung des Kostenmanagement-Bewusstseins in den Unternehmenszielen legt den Grundstein für eine nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in einem Unternehmen.

Und dieser Prozess muss in den Führungsetagen angestoßen werden, da keine Unternehmensbereiche ausgelassen werden dürfen.